
Ist dein Beruf zugleich deine Passion? Was arbeitest du?
Absolut. Zum Jahreswechsel 2022 habe ich meinen Job als Veranstaltungskaufmann aufgegeben – rückblickend goldrichtig. Als die Legalisierungspläne der Bundesregierung Form annahmen, war mir klar: Hier entsteht Geschichte, und ich will sie mitschreiben. Mit zwei Freunden gründete ich eine Beratungsfirma für Cannabis-Anbauvereinigungen. Über 70 Vereine erfolgreich an den Start gebracht zu haben, macht mich sehr stolz. Heute ist mein Alltag zweigeteilt: In meinem Laden „Wolke Growshop & Lifestyle“ leiste ich Aufklärungsarbeit und helfe Menschen direkt. Mit meiner eigenen Anbauvereinigung Niederrhein Grün e.V. lebe ich, was ich anderen vermittle – gemeinschaftlichen, verantwortungsvollen Anbau auf Augenhöhe. Was genau ich arbeite, lässt sich schwer in einen Begriff fassen – aber es ist zu 100 % meine Passion.
Was macht dir neben deinem Beruf Spaß? Hast du ein Hobby oder Ehrenamt?
Als waschechter Krefelder kommt man am Eis kaum vorbei: 27 Jahre Eishockey, fünf davon auf Profi-Niveau. Das KEV-Gen kriegt man nicht mehr raus. Heute zieht es mich zum Ausgleich in die Natur. Mit meiner Verlobten und unserem alten T4-Bus geht es so oft wie möglich auf Tour – am liebsten zum Kitesurfen. Mein persönlicher Ankerplatz bleibt aber unser gepachtetes Grundstück an den Niepkuhlen, das ich mit fünf Freunden teile. Werkeln, Natur genießen, Feuer machen – der perfekte Gegenpol zur Selbstständigkeit.
Möchtest du uns deinen Lieblingsplatz verraten? Liegt der in Krefeld oder woanders?
Klar: unser Grundstück an den Niepkuhlen. Nach einer intensiven Arbeitswoche gibt es nichts Besseres als echtes Digital Detox – Handy weg, Hände in die Erde, gemeinsam am Feuer sitzen. Diese Ruhe am Wasser mit Familie und Freunden ist für mich echter Luxus. Die Niepkuhlen sind meine persönliche Kraftquelle mitten in Krefeld.
Was findest du gut an unserer Stadt und was gefällt dir gar nicht?
Krefeld hat Charakter: der Zusammenhalt, die Bodenständigkeit, die Lebensqualität durch Stadtwald, Niepkuhlen und das kulturelle Erbe der Samt- und Seidenstadt. Keine sterile Stadt von der Stange. Was mich stört: das ungenutzte Potenzial der Innenstadt. Andere Städte zeigen, wie moderne Stadtbelebung funktioniert. Ich wünsche mir mehr Mut – weniger Bürokratie für Gründer, mehr Raum für kleine, inhabergeführte Läden. Und noch etwas, das mich wirklich nervt: die Schlaglöcher!
Was würdest du deinem 18-jährigen Ich raten, wenn du in der Zeit zurück reisen könntest?
„Atme mal tief durch und genieß den Moment.“ Mit 18 war ich voll im Tunnel – nächstes Spiel, nächste Stufe. Mein Rat: mehr im Hier und Jetzt leben. Man jagt Zielen hinterher und vergisst dabei, die Reise zu schätzen. Die wertvollsten Momente sind die, in denen man einfach präsent ist – egal ob auf dem Eis, im T4 oder an den Niepkuhlen. Vertrau darauf, dass sich die Dinge fügen, solange du mit Leidenschaft dabei bist.
Fotos: M. Otterbein





