„Right or wrong, my country!“ Dieser Satz wird einem amerikanischen Marineoffizier des 19. Jahrhunderts zugesprochen – und wurde von seinen Landsleuten als Ausdruck glühender Vaterlandsliebe gesehen: Für mein Land würde ich alles tun. Wirklich alles? Darf ich morden und zerstören, weil es meinem Land nützt? Ihr sagt jetzt vielleicht, dass ist eine alte Geschichte. Über solch blinden Patriotismus sind wir lange hinaus. Aber hier geht es nicht nur um Nationen. Es geht darum, das Wohl meiner Gruppe über alles zu stellen: meine Familie, meine Glaubensgemeinschaft, mein Verein, meine Firma! Verprügelt mein Kind auf dem Schulhof ein anderes, ist es provoziert worden. Verprügelt ein anderes Kind meins, gehe ich zur Schulleitung. Das Prinzip „Wir gegen die anderen!“ ist so alt wie die Menschheit. Denn bei unseren Vorfahren war die eigene Horde überlebenswichtig. Zumindest emotional sind wir immer noch auf Gemeinschaft angewiesen. Aus Solidarität entstehen die schönsten Dinge – und die Schrecklichsten. Denn leider machen wir auch dort mit, wo Aussteigen wichtig wäre. Auf diese Weise passieren Kriegsverbrechen. Das Dritte Reich ist nicht vorbei. Aus diesem Zwiespalt kommen wir leider nicht heraus. Wir brauchen die Gemeinschaft, weil sie die Welt zu einem besseren Ort macht. Gleichzeitig brauchen wir einen eigenen moralischen Kompass, unabhängiges Urteilsvermögen, und den Mut uns gegen die eigene Gruppe zu stellen. Denn mein Land hat nicht immer Recht!
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